Das Thema
Nachfolge in Familienunternehmen ist seit gut einem Jahrzehnt ein
Dauerbrenner in der wirtschaftsnahen Publizistik. Man weiß
inzwischen sehr genau um die spezifischen Risiken Bescheid, die den
Generationswechsel in diesem Unternehmenstypbegleiten.
...Trotz dieser gelungenen Sensibilisierung des öffentlichen
Bewusstseins hat sich an den eingespielten Verhaltensmustern der
übergebenden Generation bis heute nichts Grundlegendes geändert.
Nach wie vor wird die Notwendigkeit einer zeitgerechten und
gezielten Vorbereitung des Wechsels systematisch negiert.
...Es ist ein erstaunliches Phänomen, dass das Wissen der
beteiligten Akteure um die großen Herausforderungen eines guten
Übergangs in Familienunternehmen normalerweise nicht dazu führt,
dass entsprechende Schritte zeitgerecht eingeleitet werden.
Offensichtlich sind hier enorme Kräfte am Werk, die einen
strukturierten und gesteuerten Übergang nachhaltig behindern.
Tatsächlich deutet die anhaltend hohe
Scheiternsquote von Familienunternehmen darauf hin, dass sich in
diesem Zeitraum des Übergangs eine Reihe von schwer wiegenden
Problemen verdichten, welche die Nachfolge in Familienunternehmen
nicht mit dem üblichen Führungswechsel in Unternehmen vergleichbar
machen. Es geht ja schließlich darum, einerseits für die weichende
Generation eine für sie noch anstrebenswerte persönliche
Zukunftsperspektive zu finden, die es ihnen ermöglicht, ihr
Lebenswerk loszulassen und das Ruder tatsächlich in jüngere Hände zu
legen. Gleichzeitig stehen die Nachfolger unter einem gewaltigen
Erwartungsdruck seitens der anderen Familienmitglieder, seitens der
Belegschaft, der Kunden und Lieferanten.
...Zum anderen
löst der Nachfolgeprozess auch auf der Seite des Unternehmens tief
greifende Irritationen aus, nicht zuletzt deshalb, weil v.a. in
eignergeführten Unternehmen das gesamte alltägliche
Führungsgeschehen total an der Spitze konzentriert ist. Ihr Abgang
bewirkt deshalb im System eine Fülle von schweren Verunsicherungen
und Erschütterungen, die von der nachrückenden Generation auch bei
bester Qualifikation nicht so ohne Weiteres bewältigt werden kann.
Der Führungswechsel in Familienunternehmen ist deshalb regelmäßig
von einem tief gehenden Wandel der Führungsstrukturen und vielfach
auch mit einer strategischen Repositionierung des Unternehmens
verbunden.
Einen ähnlich schwer wiegenden Umbauprozess
löst die Nachfolge fast immer auch in der Unternehmerfamilie selbst
aus. Auch hier schichten sich die gewachsenen Strukturen um,
Erwartungen werden enttäuscht, alte Rechnungen beglichen, neue
Rollen müssen entwickelt und Verantwortlichkeiten umgeschichtet
werden. Letztlich gilt es, all diese Veränderungen in tragfähige
rechtliche Festlegungen zu gießen.
...Das
vorliegende Buch bietet eine ausgezeichnete praktische Stütze für
all jene, die fest entschlossen sind, den Generationswechsel nicht
wie einen unerwarteten Schicksalsschlag einfach nur zu erleiden;
jene Unternehmer, Väter und Mütter, Nachfolger und deren
Geschwister, welche die Gestaltung des Übergangs im Unternehmen wie
in der Familie als existenzsichernde Führungsaufgabe begreifen,
können hier in all den angesprochenen Aspekten eine nützliche
Orientierung finden. Möge das Buch die gebührende Verbreitung
finden.
Prof. Dr.
Rudolf Wimmer
Institut für Familienunternehmen der
Universität Witten/Herdecke